SAP-Berufe für Quereinsteiger

SAP-Quereinstieg: Zwischen Versprechen und Marktrealität

Das "SAP Educate to Employ"-Programm der DSAG-Academy verspricht eine sechsmonatige Qualifizierung zum SAP Consultant. Mit Lerninhalten direkt von SAP und Schulungen durch Partner wie Accenture oder Deloitte wirbt das Angebot um Quereinsteiger. Doch wie realistisch ist der Sprung in die SAP-Beratung wirklich?

Fachkräftemangel trifft auf Marktabkühlung

Die Zahlen scheinen eindeutig: Über 124.000 offene IT-Jobs heizen den "War for Talents" an, allein für SAP Consultants verzeichnete Indeed im Juli 2025 über 3.000 offene Stellen. Gleichzeitig locken Gehälter im sehr hohen fünfstelligen Bereich. Der bevorstehende S/4HANA-Übergang verstärkt theoretisch den Bedarf an qualifizierten Beratern. Die Realität zeigt jedoch ein differenzierteres Bild. Julia Winter, Recruiting Manager SAP bei dr. Fuchs Personalberatung, beobachtet deutlich gestiegene Zurückhaltung in der Einstellungspolitik: "Ein Wechsel vom Key User zum Consultant in die Beratung war früher relativ problemlos. Das geht nicht mehr ohne weiteres." Anwendungs- und Beratungsunternehmen nehmen längst nicht mehr jede Anstrengung um jeden Preis in Kauf, um SAP-Experten zu gewinnen. Sie prüfen genauer, ob Art und Anzahl der Jobwechsel solide und nachvollziehbar sind.

Ohne Fachkenntnis keine Chance

Der klassische Quereinstieg im Sinne einer 180-Grad-Neuorientierung existiert in der SAP-Welt praktisch nicht. Zu viel Detail- und Prozesswissen ist erforderlich, das sich ohne fachlichen Hintergrund kaum schnell antrainieren lässt. Auch über Weiterbildungsangebote erlangte Zertifizierungen reichen meist nicht aus. Erfolgreiche Quereinsteiger kommen aus der Materie und wechseln lediglich die Blickrichtung. Bewährt haben sich Übergänge wie:

  • Aus der Produktionsplanung zu SAP PP/DS
  • Vom Lagerfachwirt zu EWM-Thematiken
  • Von der Controllerin zu SAP CO

"Diese Art von Wechsel wird nach wie vor vollzogen", bestätigt Winter. "Gleichzeitig achten Beratungsunternehmen auf die Projektpipeline und müssen scharf kalkulieren, wie sie Juniors ausgelastet bekommen."

Interne Entwicklung statt externe Rekrutierung

Unternehmen setzen verstärkt auf interne Aus- und Weiterbildung. Sie fördern die Entwicklung von Mitarbeitenden weg von der Anwendungsseite hin zur IT – auch weil kritische Vakanzen aufgrund hoher Gehälter teilweise nicht besetzt werden können. Die interne Schulung bietet Vorteile: Die Mitarbeitenden kennen bereits System, Unternehmen und Beteiligte. Allerdings bringen sie dadurch auch keinen "neuen Blick" ins Unternehmen mit. Winter beobachtet eine Verschiebung: "Der Quereinstieg geht eher in Richtung externe Beratung, weniger in Richtung Inhouse-Beratung."

Realistische Erwartungen gefragt

Ein Wechsel in die SAP-Welt kann lohnend sein – die Gehälter haben sich auf hohem Niveau eingependelt. Doch die Nachfrage nach SAP Consultants schwächelt seit einiger Zeit, und Unternehmen stellen nicht mehr um jeden Preis ein. Quereinsteiger müssen heute gute Leistungen, Engagement und Bereitschaft zum Arbeitgeberwechsel mitbringen. Das DSAG-Programm kann eine solide Grundlage schaffen, ersetzt aber nicht die notwendige fachliche Vorerfahrung. Der Traum vom schnellen Karrieresprung bleibt für die meisten illusorisch. Wer jedoch über entsprechende Fachkenntnisse verfügt und bereit ist, sich konsequent weiterzuentwickeln, findet nach wie vor attraktive Möglichkeiten in der SAP-Beratung.